Taizé - eine Tankstelle für die Seele
In einer wunderschönen Landschaft im französischen Burgund umgeben von Weinanbau liegt auf einem kleinen Berg die Gemeinschaft von Taizé. 1940 von Bruder Roger gegründet um Kriegsflüchtlinge aufzunehmen und ein Zeichen der Hoffnung zu setzen, hat er immer nach Anhängern seiner Vision gesucht. Mit der Zeit wurde ihm bewusst, dass Jugendliche in der heutigen Gesellschaft - speziell was den Glauben angeht - oft unsicher und perspektivlos sind. Sie können sich mit einem teils über 2000 Jahre alten Buch nicht identifizieren, oft ist der Sinn des Glaubens nicht klar. Dies spiegelt sich in den Statistiken fast aller Kirchengemeinden wider, dramatischer Rückgang der Mitglieder und Gottesdienstbesucher. Ich meine, es liegt daran, dass die Kirche es nicht schafft sich anzupassen. Die Zeiten ändern sich, das Monopol, die Einzige Gemeinschaft in Dorf/Gegend/Stadt zu sein längst verloren. Anpassungsversuche werden gewagt, selten, zu selten. Amerikanische Weisen, zum Beispiel Gospelchöre, definieren Glauben ganz neu, halten aber am Sinn der Gesellschaft fest. In Deutschland, oder sogar Europa, existiert so etwas nur unter besonderen Umständen. In meiner Gemeinde, der Luisengemeinde Berlin, Partnergemeinde der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche, Berlins berühmtester Kirche, leuchtete vor Jahren ein Funke Hoffnung auf, angefacht von Pfarrer Bernd Jürgen Hamann. Der „Rockerpfarrer“ sprach sich für monatliche Rockmessen aus, in der anstatt traditioneller Orgelmusik (Rock-) Bands zur Begleitung der Lieder spielten. Der Jugend gefiel es, die Konfirmandengruppen (von denen es immer um die drei parallel gab) waren viel besser besucht, als die der umliegenden Gemeinden.
Zurück nach Frankreich. Im direkten Gegensatz zu den Statistiken der Kirchenbesuche, wurde die Begegnung in Taizé immer populärer. Zu den Stoßzeiten Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Sommerferien sind 6000 Jugendliche keine Seltenheit mehr. Angereist kommen sie hauptsächlich in Reisebussen, oft organisierte Gruppen, aber auch viele „Individualisten“. Es gibt auch die Möglichkeit mit Linienbussen aus der nächsten großen Stadt Lyon, oder mit dem eigenen Auto anzureisen. Untergebracht wird man in Baracken von vier bis zwölf Betten pro Zimmer, in großen 30- Mann Zelten oder in selbst mitgebrachten Zelten. Das „Publikum“ ist sehr international, hauptsächlich europäisch. Mit den Geldbeträgen, die von Land zu Land unterschiedlich sind, wird der Besuch Menschen aus Entwicklungsländern ermöglicht. Die Brüder akzeptieren keine direkten Spenden, man kann aber zur Übernachtung mehr als den Mindestbetrag zahlen (für Deutschland werden 5,50€ bis 7,50€ empfohlen) und in der „Exposition“ auf dem Gelände Anhänger, Postkarten, (Lieder-) Bücher und Töpferwaren für einen eher symbolischen Preis erwerben.
Die Atmosphäre ist unglaublich schön, die Messen dreimal täglich, in denen hauptsächlich gesungen wird, treiben einem schnell die Tränen in die Augen. Innerhalb einer Woche besinnt man sich, was zählt im Leben, was einem wichtig ist. Man tauscht sich aus über Gott, Erfahrungen und Einstellungen, hat Spaß am lebendigen Miteinander, ob es abends beim Gitarrespielen ist, beim Warten aufs Mittagessen oder nachmittags in der Sonne während man dem Plätschern der nahen Quelle lauscht. Eine Meinung, die man oft hört ist, dass eigentlich „alles scheiße“ ist: Essen, Toiletten und Übernachtung sind wahrlich höchstens akzeptabel, dennoch ist der darauffolgende Satz meistens: „Aber es ist so geil.“ Vieles ist unbeschreiblich, man muss es einfach selbst erlebt haben.
Wenn man eine weitere Woche in Taizé bleibt, ist es beliebt ins Schweigen zu gehen, einer besonderen Art der Besinnung, in der man seperat untergebracht wird und mit den Brüdern tiefgehende Gespräche führt. Leute, die längeren Aufenthalt haben, gelten als „Permanents“, sind komfortabler untergebracht und werden verantwortungsvolleren Aufgaben zugeteilt. Zivildienstleistende bekommen ihr Jahr angerechnet.
Mein erster Besuch in Taizé wird mit Garantie nicht der Letzte sein und eines Tages darf ich vielleicht stolz erzählen, noch von Frère Roger persönlich gesegnet worden zu sein, der - während ich da war - bewundernswerterweise fast jeden Gottesdienst beehrte, trotz seines Alters und Gesundheitszustandes. Wenn dann für ihn die Zeit gekommen ist, die letzte Reise anzutreten, darf er stolz behaupen, dass er etwas erreicht hat und sein Leben einen Sinn hatte.
Zurück nach Frankreich. Im direkten Gegensatz zu den Statistiken der Kirchenbesuche, wurde die Begegnung in Taizé immer populärer. Zu den Stoßzeiten Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Sommerferien sind 6000 Jugendliche keine Seltenheit mehr. Angereist kommen sie hauptsächlich in Reisebussen, oft organisierte Gruppen, aber auch viele „Individualisten“. Es gibt auch die Möglichkeit mit Linienbussen aus der nächsten großen Stadt Lyon, oder mit dem eigenen Auto anzureisen. Untergebracht wird man in Baracken von vier bis zwölf Betten pro Zimmer, in großen 30- Mann Zelten oder in selbst mitgebrachten Zelten. Das „Publikum“ ist sehr international, hauptsächlich europäisch. Mit den Geldbeträgen, die von Land zu Land unterschiedlich sind, wird der Besuch Menschen aus Entwicklungsländern ermöglicht. Die Brüder akzeptieren keine direkten Spenden, man kann aber zur Übernachtung mehr als den Mindestbetrag zahlen (für Deutschland werden 5,50€ bis 7,50€ empfohlen) und in der „Exposition“ auf dem Gelände Anhänger, Postkarten, (Lieder-) Bücher und Töpferwaren für einen eher symbolischen Preis erwerben.
Die Atmosphäre ist unglaublich schön, die Messen dreimal täglich, in denen hauptsächlich gesungen wird, treiben einem schnell die Tränen in die Augen. Innerhalb einer Woche besinnt man sich, was zählt im Leben, was einem wichtig ist. Man tauscht sich aus über Gott, Erfahrungen und Einstellungen, hat Spaß am lebendigen Miteinander, ob es abends beim Gitarrespielen ist, beim Warten aufs Mittagessen oder nachmittags in der Sonne während man dem Plätschern der nahen Quelle lauscht. Eine Meinung, die man oft hört ist, dass eigentlich „alles scheiße“ ist: Essen, Toiletten und Übernachtung sind wahrlich höchstens akzeptabel, dennoch ist der darauffolgende Satz meistens: „Aber es ist so geil.“ Vieles ist unbeschreiblich, man muss es einfach selbst erlebt haben.
Wenn man eine weitere Woche in Taizé bleibt, ist es beliebt ins Schweigen zu gehen, einer besonderen Art der Besinnung, in der man seperat untergebracht wird und mit den Brüdern tiefgehende Gespräche führt. Leute, die längeren Aufenthalt haben, gelten als „Permanents“, sind komfortabler untergebracht und werden verantwortungsvolleren Aufgaben zugeteilt. Zivildienstleistende bekommen ihr Jahr angerechnet.
Mein erster Besuch in Taizé wird mit Garantie nicht der Letzte sein und eines Tages darf ich vielleicht stolz erzählen, noch von Frère Roger persönlich gesegnet worden zu sein, der - während ich da war - bewundernswerterweise fast jeden Gottesdienst beehrte, trotz seines Alters und Gesundheitszustandes. Wenn dann für ihn die Zeit gekommen ist, die letzte Reise anzutreten, darf er stolz behaupen, dass er etwas erreicht hat und sein Leben einen Sinn hatte.
charliehumble - 2005-07-23 13:12
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